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Info-Center Hunde
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| Die Femurkopfluxation (Luxatio caput ossis femoris) | |||
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Femurkopfluxationen gehören zu den häufigsten Luxationen beim Kleintier. Etwa 50 % aller Luxationen bei Hund und Katze betreffen dieses Gelenk. Dabei handelt es sich in der Regel um traumatische Luxationen, vor allem im Zusammenhang mit Unfällen im Straßenverkehr. Davon abzugrenzen sind pathologische bzw. angeborene Luxationen, bei denen schon geringe Traumen ausreichen, um eine Luxation auszulösen.
Bei Hunden ist in diesem Zusammenhang die Hüftgelenksdysplasie zu nennen, bei der es aufgrund der Instabilität des Hüftgelenks leicht zu Luxationen kommen kann. Bei dem hier vorgestellten Fall handelt es sich um eine traumatische Luxation. Aus dem Vorbericht ist bekannt, daß eine nicht unerhebliche Traumatisierung stattgefunden hat. Zudem weist das Hüftgelenk des fast 10-jährigen. Hundes röntgenologisch keine Anzeichen von Hüftgelenksdysplasie
auf. Auch treten pathologische Luxationen meist schon im jüngeren Alter
auf. Bei
der Luxatio femoris kommt es im allgemeinen zur Zerreißung der
Gelenkkapsel. Diese kann dabei in mehr oder weniger großem Umfang zerstört
werden. Auch das Ligamentum capitis femoris reißt in der Regel ab oder
zumindest ein. Es kommt zu Blutungen innerhalb und außerhalb des Gelenks.
Seltener frakturiert der Pfannenrand oder der Femurkopf an der
Insertionsstelle des Ligamentum capitis femoris. Wird die Luxation nicht
behandelt, kommt es, wie schon beschrieben, zu dauerhaften Kontraktionen
der Muskulatur, sowie zur Organisation und bindegewebigen Umbildung der
entstandenen Hämatome. Die zerstörten Gewebe vernarben und können zu
Verwachsungen und Verschwartungen führen. Da der Gelenkknorpel am
Femurkopf nicht mehr über die Synovia mit Nährstoffen versorgt wird,
entstehen Knorpelnekrosen. Der dislozierte Femurkopf übt bei Bewegung
einen Reiz auf das ihn umgebende Gewebe aus und verursacht auf diese Weise
Schmerzen. Andererseits kann der Femurkopf durch die Krafteinwirkung des
ihn umgebenden Gewebes Substanzverluste erleiden oder es kann zu
arthrotischen Veränderungen des Knochens kommen. Zum
überwiegenden Teil kommt es bei unseren Haustieren zur Luxation nach
dorsal und cranial (Luxatio supraglenoidales anterior), seltener nach
dorsal und caudal (Luxatio supraglenoidales posterior). Bei den ebenfalls
seltenen Luxationen nach ventral unterscheidet man die Luxation unter den
lateralen Ast des Sitzbeins (Luxatio ischiadica), die Luxation unter den
Querast des Schambeins (Luxatio pubica) und die Luxation in das Foramen
obturatum (Luxatio obturatoria), die besonders schwierig zu reponieren
ist. Wichtige Symptome sind Lahmgehen infolge der Behinderung der freien Beweglichkeit, Nichtbelasten oder Rückwärtsstellen der betroffenen Gliedmaße. Häufig wird auch die gesunde Gliedmaße von der kranken Gliedmaße gekreuzt. Die kranke Gliedmaße ist gegenüber der gesunden Gliedmaße verkürzt, ein Vergleich der Länge der beiden Gliedmaßen ist möglich, wenn beide vorsichtig nach hinten gestreckt werden. Hinweise auf eine Luxation gibt außerdem die asymmetrische Lage der Trochanteren und der Hüfthöcker. Bei der Bewegung äußern die Tiere Schmerzen, teilweise sind krepitationsähnliche Geräusche zu hören. Obwohl die klinische Symptomatik deutliche Hinweise auf das Vorhandensein einer Luxatio femoris gibt, sind Röntgenaufnahmen unerläßlich, um die unter den Differentialdiagnosen aufgeführten Verletzungen, die eine ähnliche klinische Symptomatik aufweisen, auszuschließen. Außerdem gibt die Röntgendiagnostik eine genaue Aussage über die Lage der luxierten Gliedmaße und über Komplikationen wie Frakturen des Pfannenrandes oder des Femurkopfes. Therapie: Die
Luxatio femoris kann sowohl konservativ als auch operativ behandelt
werden. Die Auswahl der geeigneten Methode muß für jeden Fall einzeln
abgewogen werden und ist unter anderem abhängig vom Ausmaß der Schädigung
der umliegenden Gewebe und von der Zeitdauer, innerhalb der die Reposition
erfolgt. Sind
keine Komplikationen vorhanden, können die meisten Luxationen unblutig
reponiert werden, sofern die Reposition innerhalb der ersten 4-5 Tage
erfolgt. Grundsätzlich ist zu sagen, daß die Prognose günstiger ist, je
früher die Reposition erfolgt. Zu der Frage, ob die Reposition grundsätzlich
unter einer Allgemeinanästhesie erfolgen sollte, gibt es unterschiedliche
Lehrmeinungen. Für den Fall, das eine Reposition bei vollem Bewußtsein für
den Patienten zu schmerzhaft ist, ist eine Narkose jedoch auf jeden Fall
angezeigt. Neben der Schmerzausschaltung ist auch die vollständige
Relaxation der Gliedmaße ein Vorteil der Reposition unter Narkose. Für
die konservative Reposition gibt es verschiedene Techniken. Bei einer der
Methode wird der Hund in Seitenlage auf die gesunde Seite gelegt. Zur
Fixation dient ein weiches Seil oder ein Handtuch, das um die
Inguinalgegend der luxierten Gliedmaße gelegt wird. Die beiden Enden
werden von einem Gehilfen gehalten, der daran einen Gegenzug zu den
Bewegungen des Operateurs ausüben kann. Mit der rechten Hand umfaßt der
Operateur den distalen Teil des Femurs und zieht das Femur dabei nach
caudo-distal und rotiert es nach außen. Die linke Hand übt Druck auf den
Trochanter major aus und führt somit den Femurkopf auf die Gelenkpfanne
zu. Befindet sich der Femurkopf wieder im Acetabulum, wird das Femur unter
Druck auf den Trochanter major rotiert und hin und her bewegt, um
vorhandenes Weichteilgewebe aus dem Acetabulum zu entfernen. Nach
erfolgter Reposition, ob konservativ oder operativ, sollte das Tier für
einige Zeit möglichst wenig bewegt werden. Eine
operative Reposition und Fixation wird erforderlich, wenn der Femur nach
konservativer Therapie wiederholt reluxiert bzw. sich, wie im vorliegenden
Fall, nicht als dauerhaft stabil erweist. Ursache hierfür kann das
Vorliegen von Weichteilgewebe, eines umfangreichen Hämatoms oder von
Knochenbruchstücken im Gelenkspalt sein. Auch bei einem dysplastischen Hüftgelenk
wird nach erfolgter konservativer Reposition keine ausreichende Stabilität
des Gelenkes zu erwarten sein. Wenn die Reposition nicht innerhalb der
ersten 5 Tage nach der Luxation erfolgt, ist ein operatives Vorgehen
ebenfalls indiziert. Die Möglichkeit einer konservativen Reposition wird
dann allein schon durch die einsetzende Kontraktur der Skelettmuskulatur
stark eingeschränkt. Hinzu kommt die Organisation vorhandener Hämatome
im Acetabulum und die Bildung von Narbengewebe im umgebenden
Weichteilgewebe. Eine weitere Komplikation, die eine Operation notwendig
macht, sind Frakturen des Pfannenrandes. Auch für das operative Vorgehen
stehen mehrere Methoden zur Disposition. Allen gemeinsam ist, daß nach
Freilegung des Gelenks eine sorgfältige Entfernung allen Gewebes, das das
Acetabulum blockieren könnte, erfolgt. Oft
reicht es zur Stabilisierung des Gelenks dann aus, nach der Reposition die
Kapsel und das umgebende Gewebe mit relativ starkem Nahtmaterial zu vernähen.
Kann die Kapsel dabei nicht wieder an den Kapselanteilen der
Acetabulumseite befestigt werden, da diese zu knapp abgerissen sind, können
Schrauben oder Löcher, die ins Labrum gebohrt werden, dazu dienen, die Nähte
zu verankern. Ist
die Kapsel zu schwer geschädigt oder die Luxation chronisch,wie im
vorliegenden Fall, kann eine zusätzliche Fixierung nötig werden. Eine
weitere Indikation ist eine Verletzung der gegenüberliegenden Gliedmaße,
die eine möglichst frühe Belastbarkeit der luxierten Gliedmaße wünschenswert
macht. Eine Möglichkeit ist dann die bereits beschriebene Fixation mit
Hilfe eines Spießes, eine andere ist die sogenannte Toggle-Pin-Fixation.
Das Prinzip dieser Methode ist die Schaffung eines künstlichen Ligamentum
capitis ossis femoris. Dieses ist nicht dazu gedacht, auf unbegrenzte Zeit
die Funktion des Femurkopfbandes zu übernehmen, sondern dient lediglich
dazu die Stabilität des Gelenkes solange aufrecht zu erhalten, bis das
Weichteilgewebe geheilt ist und sich Narbengewebe gebildet hat, d.h., eine
Neuformation der Kapsel erfolgt ist. Dabei wird nach dorsalem Zugang mit
Osteotomie des Trochanter major ein Kanal ausgehend von der Fovea capitis
in Richtung des Trochanter tertius gebohrt. Das Femur wird reponiert, das
Bein in normaler Standposition gehalten. Der Bohrer wird durch den Kanal
im Femur geführt und die mediale Acetabulumwand durchbohrt. Das Femur
wird reluxiert, der Toggle-Pin, an dem zwei Fäden befestigt sind, wird in
das Loch im Acetabulum plaziert. Durch Zug an den zwei Fäden wird der Pin
um 90° gedreht und so in der Acetabulumwand verankert. Die beiden am Pin
befestigten Fäden werden durch den Bohrkanal im Femur geführt. Etwas
proximal des Ausgangslochs der beiden Fäden wird von cranial nach caudal
ein weiterer Kanal gebohrt, durch den die beiden Fäden gegenläufig geführt
werden. Sie werden an der lateralen Femurseite miteinander verknotet.
Schließlich wird die Kapsel soweit wie möglich wieder geschlossen und
der Trochanter major mit Kirschner Drähten wieder fixiert. Der Toggle-Pin
verbleibt auch nach abgeschlossener Heilung im Gelenk. Wird zur Fixation
hingegen ein Spieß benutzt, wie im hier vorliegenden Fall, muß dieser
nach ca. 2-3 Wochen wieder entfernt werden. Liegt
die Luxation schon längere Zeit zurück und haben sich im Laufe der Zeit
Schädigungen an den verschiedenen Anteilen des Gelenkes in Form von
Arthrosen oder Nekrosen ergeben, ist eine Femurkopfresektion angezeigt.
Eine weitere Indikation liegt vor, wenn die Luxation durch den Bruch des
Femurkopfes kompliziert wird, sowie wenn aufgrund einer Dysplasie mit
wiederholter Luxation des Hüftgelenkes zu rechnen ist. Bei der Entfernung
des Femurkopfes muß darauf geachtet werden, daß keine scharfen Kanten
entstehen, die reizend auf das umliegende Gewebe wirken. Aus diesem Grunde
soll eine schräge Durchtrennung des Collum femoris erfolgen. Der
Trochanter tertius sollte aber auf jeden Fall erhalten bleiben, da er als
Muskelansatzstelle fungiert. Eine normale Funktionstüchtigkeit der
Gliedmaße nach Resektion des Femurkopfes ist besonders bei kleineren und
vor allem schlanken Hunden sowie bei Katzen zu erwarten.
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