Luxation
Unter einer Luxation versteht man eine dauernde, vollständige Auslagerung der Gelenkfläche (Ausrenkung) unter gleichzeitiger Zerreißung von Teilen der Gelenkkapsel oder des Bandapparates.
Femur ist der Oberschenkelknochen. Bei der Femurkopfluxation handelt es sich also im die Ausrenkung des Oberschenkelknochenkopfes aus der Gelenkpfanne im Becken.
Femurkopfluxationen gehören zu den häufigsten Luxationen beim Kleintier. Etwa 50 % aller Luxationen bei Hund und Katze betreffen dieses Gelenk. Dabei handelt es sich in der Regel um traumatische Luxationen, vor allem im Zusammenhang mit Unfällen im Straßenverkehr. Davon abzugrenzen sind pathologische bzw. angeborene Luxationen, das sind z. B. krankhafte oder angeborene Gelenksveränderungen, bei denen die normale Stabilität des Gelenkes nicht gegeben ist. In diesen Fällen reichen schon geringe Traumen aus, um eine Luxation auszulösen.
Die Symptome
Wichtige Symptome sind Lahmgehen infolge der Behinderung der freien Beweglichkeit, Nichtbelasten oder Rückwärtsstellen der betroffenen Gliedmaße. Häufig wird auch die gesunde Gliedmaße von der kranken Gliedmaße gekreuzt. Die kranke Gliedmaße ist gegenüber der gesunden Gliedmaße verkürzt, ein Vergleich der Länge der beiden Gliedmaßen ist möglich, wenn beide vorsichtig nach hinten gestreckt werden. Hinweise auf eine Luxation gibt außerdem die asymmetrische Lage der großen und ertastbaren Knochenpunkte. Bei der Bewegung äußern die Tiere Schmerzen, teilweise sind krepitationsähnliche (knirschende) Geräusche zu hören. Obwohl die klinische Symptomatik deutliche Hinweise auf das Vorhandensein einer Femurluxation gibt, sind Röntgenaufnahmen unerläßlich, um die unter den Differentialdiagnosen aufgeführten Verletzungen, die eine ähnliche klinische Symptomatik aufweisen, auszuschließen. Außerdem gibt die Röntgendiagnostik eine genaue Aussage über die Lage der ausgerenkten Gliedmaße und über Komplikationen wie Abbrüche des Gelenkpfannenrandes oder des Femurkopfes.
Die Therapie
Die Femurkopfluxation kann sowohl konservativ als auch operativ behandelt werden. Die Auswahl der geeigneten Methode muß für jeden Fall einzeln abgewogen werden und ist unter anderem abhängig vom Ausmaß der Schädigung der umliegenden Gewebe und von der Zeitdauer, innerhalb der die Einrenkung erfolgt.
Sind keine Komplikationen vorhanden, können die meisten Luxationen unblutig wieder eingerenkt werden, sofern die Einrenkung innerhalb der ersten 4-5 Tage erfolgt. Grundsätzlich ist zu sagen, daß die Prognose günstiger ist, je früher die Einrenkung erfolgt. Zu der Frage, ob die Einrenkung grundsätzlich unter einer Allgemeinanästhesie erfolgen sollte, gibt es unterschiedliche Meinungen. Für den Fall, dass eine Einrenkung bei vollem Bewußtsein für den Patienten zu schmerzhaft ist, ist eine Narkose jedoch auf jeden Fall angezeigt. Neben der Schmerzausschaltung ist auch die vollständige Entspannung der Gliedmaße ein Vorteil der Einrenkung unter Narkose. Nach erfolgter Einrenkung, ob konservativ oder operativ, sollte das Tier für einige Zeit möglichst wenig bewegt werden.
Eine operative Einrenkung und Fixation wird erforderlich, wenn der Oberschenkel nach konservativer Therapie wiederholt ausrenkt bzw. sich, wie im vorliegenden Fall, nicht als dauerhaft stabil erweist. Ursache hierfür kann das Vorliegen von Weichteilgewebe, eines umfangreichen Hämatoms oder von Knochenbruchstücken im Gelenkspalt sein. Auch bei einem dysplastischen Hüftgelenk (siehe Hüftgelenkdysplasie) wird nach erfolgter konservativer Einrenkung keine ausreichende Stabilität des Gelenkes zu erwarten sein. Wenn die Einrenkung nicht innerhalb der ersten 5 Tage nach der Ausrenkung erfolgt, ist ein operatives Vorgehen ebenfalls vonnöten. Die Möglichkeit einer konservativen Einrenkung wird dann allein schon durch die einsetzende Kontraktur der Muskulatur stark eingeschränkt. Hinzu kommt die Organisation vorhandener Blutergüsse in der Gelenkpfanne und die Bildung von Narbengewebe im umgebenden Weichteilgewebe. Eine weitere Komplikation, die eine Operation notwendig macht, sind Frakturen des Pfannenrandes.
Liegt die Ausrenkung schon längere Zeit zurück und haben sich im Laufe der Zeit Schädigungen an den verschiedenen Anteilen des Gelenkes in Form von Arthrosen oder Nekrosen ergeben, muss der Femurkopf operativ entfernt werden. Ebenso wenn die Ausrenkung durch den Bruch des Femurkopfes kompliziert wird, sowie wenn aufgrund einer Dysplasie mit wiederholter Ausrenkung des Hüftgelenkes zu rechnen ist. Eine normale Funktionstüchtigkeit der Gliedmaße nach Entfernung des Femurkopfes ist besonders bei kleineren und vor allem schlanken Hunden sowie bei Katzen zu erwarten.