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Tiershop.de vom 31.10.2006
Feline infektiöse Peritonitits (FIP)

Infektiöse Bauchfellentzündung ein komplexes Krankheitsbild.

Der Erreger

Bei dem infektösen Erreger der FIP handelt es sich um das Coronavirus. Neben diesen "FIP"-erzeugenden Coronaviren, gibt es bei den Katzen noch das sehr eng verwandte Enterocoronavirus. Die meisten dieser Enterocoronaviren sind harmlos, verursachen bei Katzenwelpen häufig einen kurzzeitigen "Welpendurchfall", leben also im Darmgewebe und treten ansonsten nicht weiter in Erscheinung. Trotzdem spielen diese harmlosen Darmviren die Hauptrolle bei der Verbreitung der Erkrankung.

Die Erkrankung
Gesunde Katzen, die die Coronaviren in ihrem Darm beherbergen, scheiden diese im Kot, im Speichel und mit anderen Körperflüssigkeiten aus. Sie stecken also andere Katzen mit einer an sich harmlosen Darmerkrankung an. Soweit ist dies nicht weiter "wild". Wie wird nun ein Coronavirus zu einem "Wilden", also gefährlichen Subjekt, dem FIP-Virus? Durch Mutation.
Das besondere an den Coronaviren ist nämlich ihr außergewöhnlicher Hang zur genetischen Veränderung. Mit anderen Worten: ob ein mit Coronaviren infiziertes Kätzchen tatsächlich zum FIP-Patient wird, ist ein spontanes, nicht vorhersehbares Ereignis. Das durch Mutation entstandene FIP-Virus ist dabei quasi eine Neuschöpfung, gerade erst entstanden.

Der "Mutant"

Der Erreger dringt in die Zellen der Darmschleimhaut ein und vermehrt sich dort. Ob die Krankheit ausbricht, hängt von der Stärke des Immunsystems ab, u.a. davon ob dieses durch Medikamente wie Cortison geschwächt ist. Die Virusvermehrung führt nicht in jedem Fall zur tödlichen Erkrankung. Sie kann auch gänzlich ohne Symptome verlaufen. Antikörper sind in dem Fall nicht unbedingt nachzuweisen. Gesunde Katzen mit Antikörpern können bei Katzen ohne Antikörper eine Infektion auslösen. Es können auf diesem Wege Katzen erkranken, die nie mit erkrankten (aber infizierten) Tieren Kontakt hatten.

 

Die Formen der FIP

Man unterscheidet eine feuchte und eine trockene Form der Erkrankung. Bei der feuchten Form kommt es zu einer lokale Entzündung der serösen Oberflächen im Brust- und/oder Bauchraum. Es kommt zu Gefäßschädigungen mit Übertritt eiweißreicher Flüssigkeit in den Brust-/Bauchraum. Der Verlauf zieht sich meist über Wochen hin. Der Tod tritt nach 1-12 Wochen ein. 70% der betroffenen Katzen zeigen die feuchte Form mit Ergüssen in die Bauchhöhle. Bei der trockenen Form kommt es zu entzündlichen Auflagerungen auf/in Organen. Es bilden sich entzündliche Knötchen. Der Tod tritt nach 1-6 Monaten ein. Die Dunkelziffer bei der trockenen Form ist hoch, da die Diagnose schwierig zu stellen ist.

 

Die Betroffenen

Am häufigsten erkranken Katzen im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren. Rassekatzen sind stärker betroffen, wahrscheinlich durch die inzuchtbedingte Schwächung des Immunsystems. Pro Jahr erkranken weniger als 2% der Katzenpopulation. Die Erkrankung tritt häufiger bei männlichen als bei weiblichen Tieren auf.

 

Ein Beispiel
So könnte ein tödliches FIP-Szenario aussehen:
Ein Katzenwelpe stammt von einer mit Coronaviren infizierten Mutter. Mit der Muttermilch nimmt es Antikörper gegen diese Viren auf und ist in der ersten Lebensphase vor einer eigenen Infektion geschützt. Deshalb ist die Muttermilch so wichtig. Dieser Schutz hält aber nur einige Wochen vor. In dem Maße, wie die "mütterlichen" Antikörper im Blut des Kätzchens verschwinden, wird der Katzenwelpe empfänglich für eine Infektion. Für die dafür notwendigen Viren sorgt die infizierte Mutter.
Der kleine Körper reagiert auf die Infektion mit einem Welpendurchfall, beginnt selbst Antikörper zu produzieren und beherrscht die Krankheit, er wird immun. In den meisten Fällen schafft er es aber nicht, das Virus ganz aus dem Körper zu vertreiben. Der Katzenwelpe ist permanent infiziert, genau wie seine Mutter. Er hat eine harmlose Coronavirusinfektion, Virus und Antikörper halten sich die Waage. Das Virus "persistiert" (überdauert) in dem Welpen.
Das Tier ist gesund. Dieses stabile Gleichgewicht kann sich ändern, wenn das Immunsystem gestreßt wird, zum Beispiel dadurch, daß der Welpe in eine neue Umgebung umzieht. Andere Streßfaktoren können sein: Leukämievirus- oder Immunschwächevirusinfektion, Katzenkämpfe, Wurmbefall, chronische Erkrankungen. Das gestreßte Immunsystem verliert die Kontrolle über die Viren, die "bösen" Mutanten befallen schließlich die Abwehrzellen des Körpers und die FIP-Infektion nimmt ihren Lauf.

Die Prophylaxe

Es gibt eine Impfung gegen FIP. Die erste Imfpung sollte in der 16. Lebenswoche erfolgen. In der 20. Lebenswoche erfolgt dann die Wiederholungsimpfung. Eine Auffrischung ist dann alle 12 Monate erforderlich. Die Impfung erfolgt mit einem Nasentropfenimpfstoff. Ob eine Impfung sinnvoll ist, sollte immer der Tierarzt entscheiden. Diese Entscheidung erfolgt durch Abwägung unterschiedlicher Faktoren, z. B. ob es sich um einen Freigänger handelt oder eine reine Wohnungskatze und ob das Tier einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt ist, etc.

Erhöhte Titer bei gesunden Tieren haben keine Aussagekraft, sie können als Folge harmloser Coronavirus-Infektionen entstehen.


 

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